Kulturzentrale Kiel-Süd Lutherstrasse 9 24114 Kiel info@prinzwilly.de Der Musiker ist König! Wir sind Prinz.
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Diese Männer brauchen Maria eigentlich nicht um „Hilffe“ für einen grandiosen Auftritt zu bitten. Foto: KN-online.de







 

 


Mariahilff boten im Prinz Willy Musikkraftfutter gegen den Wahnsinn



Kiel - Ein Ständchen für Boris! Denn Boris hat Geburtstag. Furchtlos und vollmundig schmettern Mariahilff drauflos. Da freut sich der Boris und kippt sich vergnügt den stolzen Rest seines Astras über den Kopf. Es ist das erste laute Trotzdem des Abends. Trotzdem feiern, obwohl kaum jemand gekommen ist. Warum? Ein müßiges Kultur-Rätsel, das fälschlicherweise für ein Kieler Phänomen gehalten wird. Im letzten Jahr war die Bude jedenfalls noch rappelvoll.

Das zweite Trotzdem heißt Reinhängen. Das tun Ole Wulfers (Mandoline, singende Säge), Boris Joens (Mandoline, Gitarre), Hermann Halb (Mandoline, Gitarre), Ronald Gonko (E-Bass) und Lars Rudolph, Sänger, Trompeter und nebenher noch famoser Schauspieler. Zwei vollwertige dreiviertelstündige Sets ohne Abkürzungen und Halbherzigkeiten.

Allerdings wäre ein lascher Vortrag dieser ungestümen Musik auch kaum vorstellbar. Musik, die sich ungefähr so leicht fassen lässt wie ein süßer Traum, in den schon die kalte Hand der vermeintlichen Realität greift. Haltlos treibend zwischen wohligem Schauer und schaurigem Grauen weiß niemand so genau, auf welcher Seite es enden wird. Und schon wären wir beim nächtens Trotzdem: die musikalische Position. Denn die beziehen Mariahilff mit einer Leidenschaft, die nur einer tiefen Liebe entspringen kann. Die Vehemenz, mit der sie das in einer Welt tun, die schon längst im Meer unverdauter MP3s ersoffen scheint, kann ihnen gar nicht hoch genug angerechnet werden. Die Mandolinen glühen und zischen, der Bass knurrt und drückt aus den Tiefen während Lars Rudolph mit fast schon nicht mehr zu ertragendem Stimmcharisma fiebrig die wundervoll windschiefen Arrangements hauchend, greinend, quietschend und erzählend durchzuckt. Wie seine nah am Irrsinn abgeschöpften Melodien auf der Trompete windet auch Rudolph sich auf dem Stuhl hin und her, nah am theatralischen Kollaps, wie die Songs selbst. Der gebürtige Preetzer erinnert als katzenhaft-unberechenbarer Hybrid an Tom Waits und Rio Reiser, die Musik atmet die Luft der 20er Jahre mit den Lungen der Gegenwart, vermischt Folklore, Shanty, Pop, Tango, Walzer, Blues, Jahrmarktsmusik und Punk zu einem gerade so nicht überzogenem Kunstmusik.

Der dekadente Größenwahn unserer Zeit kann den Geist der 20er Jahre gerade wieder gut gebrauchen. Und zwar nicht nur als stilistisches Modeaccessoire, sondern als radikaler Kunstkeule. Mariahilff tischen lebendiges Musikkraftfutter für den Wahnsinn im Jetzt auf. Hoffentlich kommen sie bald wieder: trotzdem.


URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=127916&em_loc=12

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