Kulturzentrale Kiel-Süd Lutherstrasse 9 24114 Kiel info@prinzwilly.de Der Musiker ist König! Wir sind Prinz. Stadtgestaltung vom Feinsten
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Ins sumpfige Mark eines jeden

 

Übel bannen, Liebe nicht vergessen: Lars Rudolph (Mitte) und Mitglieder des Mandolinenorchesters Kapaikos. Foto Bevis

 

Kiel – Etwas leicht Irres umweht ihn. Lars Rudolph, der „Spezialist für verschroben-gehemmt-bedrohliche Charaktere“ (Filmportal), sieht aus wie Kaspar Hauser im Konfirmandenanzug. Über die Krawatte zur schimmernden, braunen Garderobe, macht sich der 42-Jährige selbst lustig. Die Eltern sind schließlich da und alte Freunde aus Preetz, das Weltgewandte des schauspielernden Musikers schrumpft in Willys Wohnzimmer zum familiären Lagerfeuer.

Nicht Marlboro Country, aber Mongolei oder so, der Himmel voll Mandolinen. Oder sind wir mit der Trompete doch in Mexiko? Rudolph hängt nuschelnd am schweren Mikro, ein verklebtes Doppelding, das er mal hält wie ein Betrunkener seinen Rasierer, mal wie ein Kind, das sein Eis bestaunt. Er torkelt durch Worte und Gesten, bläst zu Zitat und Zapfenstreich, trötet Hickser oder Hahnenkrähen und schöne heisere Vibratos aus der Trompete oder hebt mit Lehrermiene im Sitzen den Finger, um seinen Mannen den Takt zu zählen und wirkt dabei, als würde er einnicken. Alles Pose. Selbst das naive, hoch gestellte Stimmchen wirkt gewollt, erinnert an Rio Reiser, auch der grübelnde Knitter-Touch von Tom Liwa und Einstürzende Neubauten lassen grüßen.

Es geht um Abgesänge. Um Liebe und Tod. Um tickende Bomben. Zeit, die abläuft. Viel Pizzikato und ein rhythmisches Perpetuum. Schräge Harmonien, mit freudigem Understatement vorgetragen, die Schiwago-Schweller und -Schwelger auskostend. Wildwest, Wildost und wirre Lyrik, zu der die Säge singt und weint, die Trompete reckt sich steil in die Höhe und man wünscht sich etwas mehr Ruhe und Konzentration aufs Konzertante statt Kneipe und Quatschen.

Denn natürlich sind diese musikalischen Männerspiele nicht infantile Narretei; im gnomhaften Dandy, der hier durch den Wald stolpert, steckt ein Poet, Philosoph und Punk. „Die Köpfe sollen rollen, wenn wir das so wollen“ befindet er, geblendet von der „blödsinnigen Helligkeit der Sonne am Morgen“. Wir alle sind „Egos, die zucken beim bittere Pille schlucken, dass wir die Wurzel allen Übels selber sind“. Also wird gemahnt, die Liebe nicht zu vergessen, denn die Gedanken an den Tod, die „kann man nicht essen“.

Sehr lustig, „leere Batterie“ wie „goldene Philosophie“ auf „Onanie“ oder „Bourgeoisie“ zu reimen, den anschwellenden Kitsch im Gedenken an die Krise jäh abzubrechen oder leise verhauchte Schlüsse hinzulegen. Auch die Erkenntnis, dass um die Sonne „ein stinkender Kotball rast“, auf dem wir natürlich alle als „gierige Tiere“ tollen, ist böse komisch. Doch richtig gut ist Rudolph mit seinen walzerseligen, zum russischen Chor mutierenden Mannen, wenn er mit verschmitzter Kraftlosigkeit gegen die famose Verve seiner Musiker angrübelt und ins sumpfige Mark eines jeden trifft: „Ich muss die Kraft wieder finden, das Übel soll verschwinden, die Arschlöcher festbinden.“ Wer würde das nicht unterschreiben?

Von Almut Behl

 

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